Wer in Berlin eine zweisprachige Tagung, eine Pressekonferenz oder eine internationale Vorstandssitzung plant, steht früher oder später vor derselben Frage: Brauchen wir einen Simultandolmetscher oder reicht eine konsekutive Verdolmetschung? Die Antwort hängt weniger vom Budget ab als vom Ablauf der Veranstaltung. Wer die Unterschiede kennt, spart Geld, Zeit und vor allem Nerven.

Was ein Simultandolmetscher tatsächlich leistet

Beim Simultandolmetschen überträgt der Dolmetscher das Gesagte nahezu zeitgleich in die Zielsprache. Er sitzt dafür in einer schalldichten Kabine, hört den Redner über Kopfhörer und spricht seine Übersetzung in ein Mikrofon. Die Zuhörer empfangen sie über Empfänger. Das Verfahren ist anspruchsvoll, denn der Dolmetscher muss zuhören, verstehen, übertragen und sprechen, und das alles gleichzeitig. Einen guten Überblick über die Methode bietet der Wikipedia-Artikel zum Simultandolmetschen.

Wegen dieser enormen Konzentration arbeiten Simultandolmetscher fast immer zu zweit und wechseln sich etwa alle zwanzig bis dreißig Minuten ab. Wer nur einen Dolmetscher bucht, riskiert Fehler und Ermüdung. Das ist keine Schikane der Anbieter, sondern ein anerkannter Qualitätsstandard der Branche.

Konsekutivdolmetschen: das Gespräch in Etappen

Beim konsekutiven Dolmetschen spricht der Redner einige Sätze, macht eine Pause, und der Dolmetscher gibt den Inhalt anschließend in der Zielsprache wieder. Meist notiert er dabei mit einer speziellen Technik. Das dauert länger, schafft aber Nähe, und es braucht keine Technik. Für Vertragsverhandlungen, Behördentermine, Notartermine oder Werksführungen ist dieses Verfahren oft die bessere Wahl, weil man sich in Ruhe austauschen kann.

Man sollte allerdings bedenken, dass die Redezeit sich nahezu verdoppelt. Eine einstündige Präsentation dauert konsekutiv gedolmetscht etwa neunzig bis hundertzwanzig Minuten. Für große Veranstaltungen mit knappem Programm ist das selten praktikabel.

Wann sich welches Verfahren lohnt

Als Faustregel gilt: Je größer das Publikum und je dichter das Programm, desto eher passt Simultandolmetschen. Bei Kongressen, Messen und Podiumsdiskussionen mit mehreren Sprachen ist es kaum zu ersetzen. Bei kleinen Runden mit bis zu zehn Personen, bei Gesprächen mit Behörden oder bei Terminen, in denen jedes Wort zählt, ist konsekutives Dolmetschen meist die klügere Entscheidung.

Es gibt auch Mischformen. Das Flüsterdolmetschen etwa, bei dem der Dolmetscher einer oder zwei Personen leise ins Ohr übersetzt, eignet sich für Delegationen, die nur einen kleinen Teil eines Treffens in einer fremden Sprache verfolgen müssen. Die Kosten für Technik entfallen dabei, die Belastung für den Dolmetscher bleibt allerdings hoch.

Auf die Qualifikation kommt es an

Der Beruf des Dolmetschers ist in Deutschland nicht geschützt. Prinzipiell kann sich jeder so nennen. Umso wichtiger ist es, auf Ausbildung, Referenzen und Spezialisierung zu achten. Ein erfahrener Konferenzdolmetscher kennt das Fachgebiet Ihrer Veranstaltung, bereitet sich anhand Ihrer Unterlagen vor und stellt Fragen, bevor es ernst wird. Wie ein solcher Einsatz in der Praxis abläuft, beschreibt ein Beitrag über Konferenzdolmetschen bei mehrsprachigen Tagungen sehr anschaulich.

Für Gerichte, Notare und viele Behörden brauchen Sie darüber hinaus einen vereidigten Dolmetscher, der von einem Landgericht allgemein beeidigt wurde. Berufsverbände wie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer geben Orientierung und führen Verzeichnisse, mit denen sich qualifizierte Fachleute finden lassen. Wer einen Dolmetscher finden möchte, sollte zudem nach Mitgliedschaften und Berufserfahrung fragen.

Was Sie vor der Buchung klären sollten

Je früher Sie Ihren Dolmetscher einbinden, desto besser wird das Ergebnis. Teilen Sie Redemanuskripte, Folien, Namenslisten und Fachbegriffe mit, am besten mehrere Tage vor dem Termin. Klären Sie, wie lange die Veranstaltung dauert, ob es Pausen gibt und ob Aufzeichnungen geplant sind, denn Aufnahmen können zusätzliche Vereinbarungen erfordern.

Fragen Sie außerdem nach den Kosten und danach, was im Preis enthalten ist. Neben dem Honorar können Anreise, Technik, Vorbereitungszeit und Ausfallregelungen eine Rolle spielen. Einen verständlichen Einstieg in dieses Thema bietet der Beitrag zu Dolmetschleistungen im Überblick. Wer die einzelnen Posten kennt, kann Angebote fair vergleichen.

Häufige Fehler bei der Planung

Der häufigste Fehler ist die späte Buchung. Gute Dolmetscherteams sind in Berlin gerade während der Messe- und Kongresssaison oft Wochen im Voraus ausgebucht. Ebenfalls verbreitet ist der Wunsch, Kosten zu sparen, indem ein zweisprachiger Mitarbeiter einspringt. Das funktioniert für ein kurzes Gespräch, scheitert aber bei Fachvorträgen, weil Dolmetschen eine eigene Technik ist, die man nicht nebenbei beherrscht.

Ein dritter Fehler betrifft das Material. Wer Folien erst am Morgen der Veranstaltung schickt, nimmt dem Team die Chance, Fachbegriffe zu recherchieren. Sprechen Sie Redner außerdem darauf an, nicht zu schnell zu sprechen und Zitate oder Zahlen langsam zu nennen. Diese kleinen Hinweise verbessern das Ergebnis spürbar.

Technik, Raum und Zeitplan nicht vergessen

Bei Simultandolmetschen entscheidet die Technik über den Erfolg. Die Kabinen müssen frei von Störgeräuschen sein, die Sicht auf den Redner sollte gewährleistet sein, und ein Techniker sollte während der gesamten Veranstaltung erreichbar bleiben. Prüfen Sie den Raum idealerweise vorab gemeinsam mit dem Dolmetscherteam und planen Sie einen kurzen Soundcheck ein.

Am Ende ist die Wahl zwischen den Verfahren eine Frage der Veranstaltung, nicht des Prinzips. Wer Ablauf, Teilnehmerzahl und Anspruch klar beschreibt, bekommt von seriösen Anbietern eine ehrliche Empfehlung. Und wer rechtzeitig plant, erlebt eine mehrsprachige Veranstaltung, bei der die Sprache keine Hürde mehr ist, sondern einfach funktioniert.